Abschuss von Nil,- Grau- und Kanadagänsen

Neue Allgemeinverfügung
zum Abschuss von Nil,- Grau- und Kanadagänsen
zur Wildschadensverhütung
für das Jagdjahr 2020/2021
Das Landratsamt Pfaffenhofen erlässt folgende
Allgemeinverfügung


1. Die Schonzeit für Nil-, Grau- und Kanadagänse wird
vom 01.07.2020 bis 31.07.2021 für folgende Reviere
im Landkreis Pfaffenhofen aufgehoben:
- Gemeinschaftsjagdrevier Baar
- Gemeinschaftsjagdrevier Dünzing
- Gemeinschaftsjagdrevier Deimhausen
- Gemeinschaftsjagdrevier Ebenhausen
- Gemeinschaftsjagdrevier Ernsgaden
- Gemeinschaftsjagdrevier Engelbrechtsmünster
- Gemeinschaftsjagdrevier Freinhausen
- Gemeinschaftsjagdrevier Geisenfeld
- Gemeinschaftsjagdrevier Geisenfeldwinden
- Gemeinschaftsjagdrevier Hartacker
- Gemeinschaftsjagdrevier Hög II
- Gemeinschaftsjagdrevier Ilmendorf
- Gemeinschaftsjagdrevier Irsching
- Gemeinschaftsjagdrevier Manching I
- Gemeinschaftsjagdrevier Manching II
- Gemeinschaftsjagdrevier Menning
- Gemeinschaftsjagdrevier Münchsmünster
- Gemeinschaftsjagdrevier Oberhartheim
- Gemeinschaftsjagdrevier Parleiten
- Gemeinschaftsjagdrevier Pichl
- Gemeinschaftsjagdrevier Rockolding
- Gemeinschaftsjagdrevier Rottenegg
- Gemeinschaftsjagdrevier Schillwitzried
- Gemeinschaftsjagdrevier Unterpindhart
- Gemeinschaftsjagdrevier Untermettenbach I
- Gemeinschaftsjagdrevier Untermettenbach II
- Gemeinschaftsjagdrevier Vohburg
- Gemeinschaftsjagdrevier Westenhausen
- Gemeinschaftsjagdrevier Wöhr
- Gemeinschaftsjagdrevier Zell b. Geisenfeld
- Eigenjagdrevier Abwurfplatz Geisenfeld
- Eigenjagdrevier Braun
- Eigenjagdrevier Einberg
- Eigenjagdrevier Flugplatz Manching
- Eigenjagdrevier Griesham
- Eigenjagdrevier Reisinger
- Eigenjagdrevier Schielein
- Staatsjagdrevier Baumannshof
2. Der Abschuss darf in den Revieren
Gemeinschaftsjagdrevier Ernsgaden
Gemeinschaftsjagdrevier Geisenfeld
Gemeinschaftsjagdrevier Hög II
Gemeinschaftsjagdrevier Manching I
Gemeinschaftsjagdrevier Manching II
Gemeinschaftsjagdrevier Pichl
Gemeinschaftsjagdrevier Westenhausen
Eigenjagdrevier Abwurfplatz Geisenfeld
Eigenjagdrevier Braun
Eigenjagdrevier Flugplatz Manching
Eigenjagdrevier Reisinger
Eigenjagdrevier Schielein
Staatsjagdrevier Baumannshof
während der Hauptflugzeit der Wehrtechnischen
Dienststelle in Manching (9.00 Uhr bis 17.00 Uhr)
nicht durchgeführt werden.
3. Im Juli wird nur die Jagd auf Junggänse zugelassen.
4. Die Schonzeit für die oben genannten Arten wird zusätzlich vom
16.01. bis 15.02.2020 aufgehoben. Die Inhalte der Ziffern 1-3
und 5-10 gelten entsprechend.
5. Die Ausnahme gilt für den Zeitraum vom 16.01.-15.02. nicht in
Bereichen von FFH-Gebieten, Naturschutzgebieten und Wiesenbrütergebieten.
Der Jagdausübende hat sich in eigener Verantwortung
über deren Lage zu informieren. Die Flächen sind in
Karten der Anlage zu dieser Allgemeinverfügung dargestellt.
6. Es ist mit größter Vorsicht zu schießen. Dabei sind alle Sicherheitsvorkehrungen
zu treffen, um Personen und fremdes Eigentum
zu schützen.
Der Freizeittourismus ist zu beachten.
7. Für Unfälle und Schäden aller Art, die durch das Schießen oder
die Handhabung mit der Waffe entstehen sollten, haftet der Revierinhaber
bzw. der jeweilige Jagdpächter. Die Mithaftung des
Landratsamtes scheidet aus.
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8. Der Revierinhaber bzw. Jagdpächter bzw. Jagdgast muss eine
gültige Haftpflichtversicherung gemäß § 17 Abs. 1 Nr. 4 Bundesjagdgesetz
abgeschlossen haben.
9. Die sofortige Vollziehung der Nrn. 1 bis 6 dieses Bescheides
wird angeordnet.
10. Dieser Bescheid ergeht kostenfrei.
Gründe
I.
Die sehr großen Wasserflächen im Bereich des Feilenmooses und
auch im Bereich der Schielein-Weiher sind Anziehungspunkte für Nil-,
Grau- und Kanadagänse. Die Populationen wachsen jährlich um ca.
20%. In den vergangenen Jahren wurde immer wieder festgestellt,
dass die Saaten durch die Gänse zum Teil vollständig vernichtet
wurden. Beschwerden von Landwirten liegen den jeweiligen Eigenjagdinhabern
bzw. Jagdpächtern vor.
Zudem besteht durch die hohe Anzahl von Nil-, Grau- und Kanadagänsen
auch die Gefahr des Vogelschlags für den Flugplatz der
Wehrtechnischen Dienststelle (WTD) in Manching.
II.
1. Das Landratsamt Pfaffenhofen ist gemäß Art. 52 Abs. 3 Bayerisches
Jagdgesetz (BayJG) i.V.m. Art. 3 des Bayerischen Verwaltungsverfahrensgesetzes
(BayVwVfG) zum Erlass dieses Bescheides
sachlich und örtlich zuständig.
2. Die Regelung in Nr. 1 dieses Bescheides stützt sich auf Art. 33
Abs. 5 Nr. 2 i.V.m. Abs. 3 Nr. 1 Bayerisches Jagdgesetz (BayJG).
Danach kann die Jagdbehörde durch Einzelanordnung zur Vermeidung
übermäßigen Wildschadens in einzelnen Revieren die Schonzeiten
aufheben. Dabei ist auch der Erlass von Sammelverwaltungsakten
in Form von Allgemeinverfügungen möglich.
Zur Wildschadensverhütung erscheint unumgänglich, dass der Abschuss
von Nil-, Grau- und Kanadagänsen genehmigt wird. Es ist
nicht zumutbar, dass der Schaden, den die Gänse verursachen, von
den Landwirten getragen wird. Die Zahl der Nil-, Grau- und Kanadagänse,
die sich in den Weihergebieten aufhalten, lässt ohne weiteres
den Abschuss zu, so dass der Bestand durch die Abschussregelung
in keiner Weise, auch nicht annähernd gefährdet ist.
Der Nil-, Grau- oder Kanadagansabschuss darf ab 01. August bis
15. Januar ausgeübt werden (Jagdzeiten). Faktisch erstreckt sich
somit die Jagdausübungszeit auf Nil-, Grau- und Kanadagänse
im Landkreis Pfaffenhofen auf den Zeitraum vom 1. Juli bis
15. Februar.
Die Ausnahmen konnten erteilt werden, da ein Zuwarten bis zum
Beginn der Jagdzeiten auf Nil-, Grau- und Kanadagänse weitere
erhebliche Schäden an Getreideflächen erwarten ließe.
Die Schäden werden durch das Fressen von Saatgut, ganzen Keimlingen,
Keimblättern und reifen Samen verursacht. Betroffen sind
hauptsächlich Getreide und Mais. Die betroffenen Felder werden von
den Gänsen z.T. völlig abgefressen. Örtlich haben die Schäden ein
Ausmaß angenommen, dass sie der Landwirtschaft nicht mehr zugemutet
werden können.
Die Schäden treten bei Getreide insbesondere im Juni und Juli, bei
Mais hauptsächlich im September auf.
Vergrämungsaktionen verschiedenster Art führten nicht zum gewünschten
Erfolg.
3. Die Regelungen in den Nrn. 2 mit 6 beruhen auf Art. 36 Abs. 1
i.V.m. Abs. 2 Nr. 4 des Bayerischen Verwaltungsverfahrensgesetzes
(BayVwVfG) und dienen zur Sicherstellung einer ordnungsgemäßen
Jagdausübung ohne Gefährdung unbeteiligter Dritter.
Um Beeinträchtigungen des Flugverkehrs der WTD durch die Abschüsse
zu vermeiden, war eine Regelung notwendig, dass der Abschuss
nicht während der Hauptflugzeit der Wehrtechnischen Dienststelle
in Manching (9.00 Uhr bis 17.00 Uhr) stattfinden darf, damit die
aufgescheuchten Vögel während der Bejagung nicht den aktiven
Flugbetrieb zusätzlich gefährden.
Im Juli war die Jagd auf Junggänse zu beschränken, da in dieser Zeit
der Elternschutz nicht aufgehoben werden darf.
Die Anordnung des Sofortvollzugs in Nr. 7 dieses Bescheides stützt
sich auf Art. 80 Abs. 2 Nr. 4 der Verwaltungsgerichtsordnung
(VwGO).
4. Das besondere öffentliche Interesse im Sinne des § 80 Abs. 2 Satz
1 Nr. 4 VwGO besteht darin, dass es zur Wildschadensverhütung und
zur Verminderung der Gefahr des Vogelschlags unumgänglich ist,
dass der Abschuss von Nil-, Grau- und Kanadagänsen genehmigt
wird.
Bei der Abwägung des Interesses von Dritten an einer abschließenden
Klärung der Rechtmäßigkeit dieses Bescheides vor Durchführung
der erforderlichen Maßnahmen und der Notwendigkeit des Abschusses
von Nil-, Grau- und Kanadagänsen zur Wildschadensverhütung
ist nach Auffassung des Landratsamtes die Vermeidung von Wildschadensfällen
und die Verminderung der Gefahr des Vogelschlags
vorrangig.
5. Die Kostenfreiheit ergibt sich aus Art. 1 und 3 Kostengesetz (KG)
i.V.m. Tarif-Nr. 6.I.1/1.55.1 des Kostenverzeichnisses zum Kostengesetz.
Rechtsbehelfsbelehrung:
Gegen diesen Bescheid kann innerhalb eines Monats nach seiner
Bekanntgabe Klage erhoben werden bei dem
Bayerischen Verwaltungsgericht München
Postfachanschrift: Postfach 20 05 43, 80005 München
Hausanschrift: Bayerstr. 30, 80335 München
schriftlich, zur Niederschrift oder elektronisch in einer für den Schriftformersatz
zugelassenen* Form.
Hinweise zur Rechtsbehelfsbelehrung:
*Die Einlegung eines Rechtsbehelfs per einfacher E-Mail ist nicht
zugelassen und entfaltet keine rechtlichen Wirkungen! Nähere Informationen
zur elektronischen Einlegung von Rechtsbehelfen entnehmen
Sie bitte der Internetpräsenz der Bayerischen Verwaltungsgerichtsbarkeit
(www.vgh.bayern.de).
Kraft Bundesrechts wird in Prozessverfahren vor den Verwaltungsgerichten
infolge der Klageerhebung eine Verfahrensgebühr fällig.
Pfaffenhofen a.d. Ilm, 12.02.2020
Martin Wolf, Landrat
Anlage
Karte Wiesenbrütergebiete und
Karte FFH und Naturschutzgebiete
(s. gesonderte Datei als „Anlage 1“ zum Amtsblatt Nr. 14/2020)