Afrikanische Schweinepest (ASP)


Eine Einschätzung des lokalen Risikos


Ausgehend von den Viruseigenschaften

• Hoch ansteckend
• In kurzer Zeit für nahezu alle infizierten Tiere tödlich
• Krankheitsgeschehen einhergehend mit Sekundärinfektionen
• Virus in Fleisch und Fleischzubereitungen lange überlebensfähig
• Für menschlichen Verzehr unbedenklich


ziehe ich folgende Schlüsse:


1. Hausscheine
a. Kontrollierte Haltung in EU

Infizierte Tiere werden wegen der flächendeckenden Untersuchung von Beständen und Schlachttieren

i. zeitnah entdeckt
ii. die Bestände werden gekeult
iii. Fleisch und Fleischproduckte werden gefunden und unschädlich entsorgt
iv. Tierhalter werden entschädigt, kein Interesse am Zurückhalten von infizierten Vorräten oder Infiziertem Material

b. Hergebrachte, verbreitet private Haltung in nicht EU-Ländern

i. Infekte an ASP werden kurzfristig nicht erkannt,
ii. wegen der Sekundär-Infekte werden erkrankte Tiere verwertet, bevor die infizierten Tiere verenden,
iii. in den verarbeiteten Produkten bleibt das Virus erhalten und infiziert den Hausschweinebestand erneut
iv. Der Kreislauf wird nicht durch Seuchenprävention unterbrochen. Wie lange und wo persistente Virusinfektionen in nicht EU-Ländern bestehen, ist nicht bekannt, weil keine flächendeckenden Untersuchungen durchgeführt wurden.
Beobachtete Infekte haben die notwendige Voraussetzung der entsprechenden Untersuchung - mir ist nicht bekannt, ob und wann in den Seuchengebieten vor den gemeldeten Infekten untersucht wurde. Auch die Intensität der aktuellen Untersuchungen und der ergriffenen Maßnahmen zur Seuchenbekämpfung in diesen Gebieten kenne ich nicht. Ich habe dazu auch keine Quellen gefunden.

 2. Wildschweine
a. Seuchenkontrolle in EU-Ländern

i. Infektionsherde werden gefunden
ii. Die Verarbeitung von infizierten Wildfleisch ist unwahrscheinlich, weil bei allen Beteiligten durch

• Information
• Veterinärärztliche Betreuung
• Gesetzeslage

Risikobewusstsein und Bekämpfungswille vorhanden ist.

b. Seuchenbekämpfung

i. Soweit infiziertes Wild gefunden wird, ist eine unschädliche Beseitigung sichergestellt.
ii. Nicht gefundenes infiziertes Wild verendet mit hoher Wahrscheinlichkeit.

• Eine infizierte Rotte, Population bricht zusammen, endet.
• Nicht gefundene Wildkörper verrotten oder werden von Aasfressern verwertet und verlieren damit, nach einer mir nicht bekannte Zeitdauer, die Infektionsfähigkeit.

iii. Bei der hohen Sterblichkeit dünnt die infizierte Population stark aus und endet mit hoher Wahrscheinlichkeit. Auch nach einer Neubesiedelung des Lebensraumes durch gesunde Bestände ist eine erneute Infektion aus zurückgebliebenem infiziertem Material wegen des zeitlichen Abstands wenig wahrscheinlich.

In Nicht-EU-Ländern ist eine Reinfektion von Wildscheinen aus den Hausschweinebeständen plausibel.

c. Zusammenfassende Einschätzung
  • Die hinreichende und nachhaltige Bekämpfung von ASP kann nur durch die Beseitigung der Situationen siehe Ziffer 1.b erfolgen.
  • Die Einschleppung durch Wildschweine ist wegen der kurzen Überlebenszeit nach der Infektion nur in hinreichender Nähe zu Gebieten gemäß Ziffer 1.b zu befürchten. In diesen gefährdeten Regionen der EU wird es in absehbarer Zeit keine Entwarnung geben.
  • Die hoffentlich unwahrscheinliche Infektion durch die unkontrollierte Einfuhr von infizierten Material aus Gebieten gemäß Ziffer 1.b ist vermutlich nicht zu vermeiden.
  • Die vorhandenen Methoden und Maßnahmen zur Seuchenbekämpfung werden sporadische lokale Seuchengeschehen mit hoher Wahrscheinlichkeit in der Ausbreitung begrenzen und zum Erliegen bringen. Allerdings ist ein dauerhaft hoher Aufwand zur Kontrolle und ein entsprechendes Problembewusstsein bei allen Beteiligten notwendige Voraussetzung.


Walter Ulrich